
Die Agrarökologie stärkt die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme, indem sie auf Vielfalt, lebendige Böden und natürliche Prozesse setzt. Sie beschränkt sich nicht auf landwirtschaftliche Praktiken, sondern regt dazu an, das gesamte Lebensmittelsystem vom Feld bis auf den Teller zu überdenken. Weltweit entwickeln Bäuerinnen und Bauern, Konsumentinnen und Konsumenten sowie lokale Gemeinschaften kollektive Initiativen, die in ihren Regionen verankert sind. Anhand von drei konkreten Projekten in der Schweiz veranschaulicht dieser Text das Potenzial der Agrarökologie und beleuchtet gleichzeitig die Voraussetzungen, die für eine breitere Anwendung erforderlich sind.
In einer Zeit, in der wir deutlich mehr beunruhigende als erfreuliche Nachrichten hören und lesen – insbesondere über die Zukunft unseres Planeten –, ist es wichtig daran zu erinnern, dass konkrete Maßnahmen Wirkung zeigen.
Die Stiftung Future 3.0 setzt sich dafür ein, unser Agrarsystem zu verändern, indem sie den Wandel von Denkweisen, politischen Rahmenbedingungen und landwirtschaftlichen Praktiken unterstützt. Sie sensibilisiert die breite Öffentlichkeit und Entscheidungsträger:innen und fördert zugleich Projekte, die Biodiversität, Klima, Böden, Tierwohl und die menschliche Gesundheit respektieren. Denn wenn der Natur Raum gegeben wird, reagiert sie dankbar: Arten kehren zurück, Böden regenerieren sich, Landschaften gewinnen ihre Vitalität zurück. Überall zeigen Initiativen, dass ein sanfterer, an natürlichen Prozessen orientierter Umgang die Fruchtbarkeit wiederherstellen, das Leben im Boden beleben und die Resilienz gegenüber extremen Wetterbedingungen stärken kann. Je größer die Biodiversität, desto besser sind Böden und Kulturpflanzen vor Schädlingen und klimatischen Veränderungen geschützt.
Die Agroökologie spielt dabei eine Schlüsselrolle. Indem sie auf natürliche Prozesse und die Vielfalt des Lebens setzt, trägt sie dazu bei, die Bodengesundheit zu erhalten und zugleich hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Lebendige Böden zu fördern bedeutet, in eine resiliente Landwirtschaft und in die Zukunft unserer Gesellschaften zu investieren.
In agrarökologischen Systemen ersetzt Vielfalt die Monokultur, Böden werden regeneriert statt ausgebeutet, und die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroorganismen werden zu wertvollen Verbündeten. Indem sie auf eine effiziente Ressourcennutzung und die Komplexität von Ökosystemen setzt, stärkt die Agroökologie die Resilienz von Ernährungssystemen gegenüber klimatischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen.
Aber Agroökologie beschränkt sich nicht nur auf landwirtschaftliche Praktiken. Sie lädt dazu ein, das gesamte Lebensmittelsystem neu zu denken – vom Feld bis auf den Teller. Weltweit organisieren sich Bäuerinnen und Bauern, Konsumentinnen und Konsumenten, indigene Völker und andere lokale Akteur:innen, um kollektive Initiativen zu entwickeln, die tief in ihren Regionen verwurzelt sind. Sie setzen sich für gerechtere, resilientere und besser an die lokalen Gegebenheiten angepasste Ernährungssysteme ein.
Da sie sich an regionale Gegebenheiten anpasst, auf lokalem Wissen aufbaut und die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt, nimmt Agroökologie vielfältige Formen an. Diese Vielfalt ist ihre Stärke: Sie ermöglicht es, weltweit Ernährungssysteme zu entwickeln und zu gestalten, die die Menschheit ernähren und gleichzeitig die Grenzen des Lebens respektieren.
In diesem Sinne unterstützt die Stiftung Future 3 die Stiftung Biovision und das Netzwerk Agroecology Works!, die sich für eine agroökologische Transformation des Schweizer Lebensmittelsystems einsetzen. Gemeinsam engagieren sie sich für eine nachhaltige Landwirtschaft, die das Klima, die Biodiversität, die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere respektiert und auf lokalem Wissen sowie kollektivem Handeln basiert.
In diesem Artikel stellen wir drei konkrete Projekte vor – von insgesamt über 700 agroökologischen Initiativen in der Schweiz –, die beweisen, dass die Agrarökologie wirklich funktioniert und den Weg in eine nachhaltige und vielversprechende Zukunft ebnet.

«Eine Oase der Biodiversität in der Magadino-Ebene», «Saatgut mit kurzer Lieferkette» und «Mit Bäumen fürs Klima und Tierwohl» gehören zu den rund zwanzig Vorzeigeprojekten der Agrarökologie, die Biovision im Rahmen des Projekts "Beispiele für ein nachhaltiges Ernährungssystem", gefördert von der Stiftung Future 3, ausgewählt hat.
In der Magadino-Ebene im Tessin erweckt Seminterra landwirtschaftliche Flächen zu neuem Leben – mit Fokus auf Solidarität und Respekt vor allem Lebendigen. Getragen von einer Genossenschaft engagierter Bäuerinnen und Bauern, baut der Hof Bio-Gemüse, -Getreide und -Obst an, regeneriert dabei die Böden und fördert die Biodiversität. Auf 1,4 Hektar wachsen Gemüse, Getreide, Kräuter und Obstbäume in einer neu gestalteten Landschaft, die durch Hecken, Naturzonen und Lebensräume für Tiere strukturiert ist.
Seminterra ist kein gewöhnlicher Bauernhof – es ist eine Gemeinschaft. Die Mitglieder engagieren sich für eine ganze Saison, teilen die Risiken und Verantwortlichkeiten der landwirtschaftlichen Produktion, unterstützen das Projekt finanziell und helfen nach ihren Möglichkeiten bei den Feldarbeiten. Im Gegenzug erhalten sie jede Woche lokale Bio-Produkte – aber auch etwas noch Wertvolleres: ein greifbares Verständnis dafür, was es bedeutet, Nahrung auf nachhaltige Weise zu produzieren.
Weitere Informationen: https://www.biovision.ch/fr/story/projet-phare-seminterra/
In Genf haucht die Initiative " Saatgut mit kurzer Lieferkette" der Vielfalt im Gemüsebau neues Leben ein, indem sie die Produktion lokaler, robuster und biologischer Samen wieder in die eigene Hand nimmt. In einem Kontext, in dem heute eine Handvoll grosser Unternehmen nahezu das gesamte Saatgutangebot kontrolliert, baut diese Vereinigung in Zusammenarbeit mit rund zwanzig Betrieben der Region Sorten an, selektioniert und vermehrt sie, die an das Genfer Terroir und die kommenden klimatischen Herausforderungen angepasst sind.
Durch ein dezentrales und kollektives Vorgehen entscheiden die beteiligten Bäuerinnen und Bauern gemeinsam, welche Saatgutsorten vermehrt werden und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. So stärken sie ihre Autonomie und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber einem von der Industrie dominierten Markt.
"Saatgut mit kurzer Lieferkette" bewahrt zudem ein wertvolles landwirtschaftliches Erbe: traditionelle Sorten, die in Vergessenheit geraten sind, aber perfekt an die Region angepasst sind. Gleichzeitig werden teilweise auch Samen aus anderen Regionen integriert, die den neuen klimatischen Bedingungen besser standhalten können.
Weitere Informationen: https://www.biovision.ch/fr/story/projet-phare-semences-de-pays

In Oberrüti im Kanton Aargau entwickelt der Hof Adlerzart eine Landwirtschaft, in der sich die Tiere in einer lebendigen, von Bäumen geprägten Landschaft bewegen. Das Projekt basiert auf dem Silvopastoralismus, einer Form der Agroforstwirtschaft, die Weiden, Bäume und Tierhaltung miteinander verbindet, um sowohl das Tierwohl als auch die Gesundheit der Ökosysteme zu verbessern.
Die Idee nahm Gestalt an, als Pirmin Adler, der Betriebsleiter, begann, frische Zweige in die Einstreu seiner Kühe zu integrieren. Die Wirkung zeigte sich schnell: robustere Tiere, ein gestärktes Immunsystem und hochwertigerer Mist. Diese Erfahrung markierte einen Wendepunkt und führte dazu, dass er Bäume und Sträucher direkt in den Wiesen in grossem Umfang pflanzte.
Heute bieten diese Pflanzungen Kühe und Hühnern Schatten, Schutz und zusätzliche Nahrung. Gleichzeitig fördern sie die Biodiversität und stärken die Widerstandsfähigkeit der Böden gegenüber dem Klimawandel. Die Tiere können in einer vielfältigeren und ruhigeren Umgebung ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben.
Mit Adlerzart wird die Weide zu einem vollständigen Ökosystem, in dem sich Agroforstwirtschaft und Viehzucht gegenseitig verstärken. Ein wegweisender Ansatz, der vom Kanton Aargau anerkannt ist und zeigt, wie eine lebensbewusste Landwirtschaft das Tierwohl, die Bodenfruchtbarkeit und das Gleichgewicht der Landschaften nachhaltig verbessern kann.
Weitere Informationen: https://www.biovision.ch/fr/story/projet-phare-adlerzart/
Diese wegweisenden Beispiele für Agroökologie in der Schweiz zeigen, dass diese Praktiken die Bodengesundheit und Biodiversität verbessern und die Abhängigkeit von Betriebsmitteln verringern. Doch diese Projekte existieren trotz des aktuellen Rahmens – nicht dank ihm.
Was hauptsächlich fehlt:
Diese Beispiele zeigen, dass Lösungen existieren und die Natur eine gewisse Resilienz besitzt, wenn man ihr etwas mehr Raum lässt – und nicht zu lange wartet. Handeln, selbst in kleinem Rahmen, schafft die Möglichkeit für eine lebendige Zukunft. Ob klein oder gross, unsere Handlungen prägen die Welt. Hier sind einige Anregungen:
Sich bei politischen Entscheidungsträgern Gehör verschaffen. Mit gewählten Vertreterinnen und Vertretern in Kontakt treten, kommunale, kantonale oder nationale Behörden ansprechen – jede Botschaft zählt.
Unterstützung von Stiftungen und Organisationen, die sich für den Erhalt der Umwelt und den Schutz der menschlichen Gesundheit einsetzen
Diese Artikel sind nicht nur Warnungen: Sie spiegeln auch einen Aufwand an Aufklärung und Informationsvermittlung wider, der es jedem ermöglicht, technische Zusammenhänge zu verstehen und informiert zu handeln.
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