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Mehr bezahlen für Bio, wenig davon kommt bei den Landwirten an

Célina Leuba
Von
Célina Leuba
am
26.7.10
In Kürze

Zum vierten Mal in Folge zeigt der Preismonitor von Faire Märkte Schweiz, dass Konsumentinnen und Konsumenten für Bioprodukte deutlich höhere Preise bezahlen, während bei den Bioproduzentinnen und -produzenten nur ein vergleichsweise geringer Anteil dieses Mehrpreises ankommt.

Das Projekt «Preismonitor»

m September 2025 hat die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) im Auftrag von Faire Märkte Schweiz (FMS) bereits zum vierten Mal in Folge die Preispolitik von Migros, Coop, Aldi und Lidl im Rahmen des Preismonitors unter die Lupe genommen. Ziel des Preismonitors ist es, mehr Transparenz bei der Preisbildung zu schaffen, die Preisbeziehungen in der Schweizer Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich zu analysieren und deren Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit zu bewerten.

Ergebnisse

Die Zahlen des dritten Quartals 2025 bestätigen, dass Bioprodukte weiterhin stärker benachteiligt sind: Konsumentinnen und Konsumenten bezahlen dafür vor allem höhere Preise, doch dieser Mehrpreis kommt den Produzentinnen und Produzenten weniger zugute als bei konventionellen Produkten. Die Studie zeigt, dass die höhere Zahlungsbereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten für Bioprodukte nicht zu einer entsprechend höheren Entlöhnung der Produzentinnen und Produzenten führt. Ein grosser Teil der Wertschöpfung wird entlang der nachgelagerten Stufen der Lebensmittelkette abgeschöpft, ohne dass daraus ein gleichwertiger Nutzen für Produzentinnen und Produzenten, Umwelt oder Tierwohl entsteht. Diese Situation macht die biologische Produktion für viele Betriebe wenig attraktiv und bremst den Wandel hin zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem.

Wer profitiert vom Mehrpreis für Bio? Vergleich von drei Produkten bei Coop und Migros

Abbildung 1: Verteilung des Verkaufspreises zwischen Produzentinnen und Produzenten sowie Verarbeitung und Handel für konventionellen und biologischen Hinterschinken, der von den beiden grossen Detailhändlern Coop und Migros verkauft wird (in %). Quelle: Faire Märkte Schweiz.

Bio-Schweine leben unter besseren Bedingungen, doch ihr Fleisch bleibt ein Nischenprodukt. In der Schweiz stammen lediglich 3,5 % der verkauften Schweinefleischmengen aus der biologischen Landwirtschaft – obwohl Schweinefleisch die meistkonsumierte Fleischart des Landes ist.

In den Verkaufsregalen fällt der Preisunterschied deutlich auf: Bio-Hinterschinken kostet 61,10 Franken pro Kilogramm, gegenüber 17,50 Franken für die konventionelle Variante – also mehr als dreimal so viel. Dennoch kommt dieser Preisunterschied den Produzentinnen und Produzenten nur wenig zugute: Eine Bio-Produzentin oder ein Bio-Produzent erhält 7,60 Franken pro Kilogramm Schinken, während es bei konventioneller Produktion 5 Franken sind. Der von den Konsumentinnen und Konsumenten bezahlte Mehrpreis kommt den Betrieben somit nur in geringem Umfang zugute.

Betrachtet man die Verteilung des im Laden bezahlten Preises, fällt der Unterschied noch deutlicher aus: Bei einem Bio-Hinterschinken entfallen lediglich 12 % des Verkaufspreises auf die Landwirtinnen und Landwirte, während 88 % auf Verarbeitung und Handel entfallen. Bei einem konventionellen Hinterschinken beträgt der Anteil für die Landwirtinnen und Landwirte 29 %.

Abbildung 2: Verteilung des Verkaufspreises zwischen Produzentinnen und Produzenten sowie Verarbeitung und Handel für konventionelle und biologische Karotten, die von den beiden grossen Detailhändlern Coop und Migros verkauft werden (in %). Quelle: Faire Märkte Schweiz.

Starke Preisunterschiede bei Früchten und Gemüse: Bei Äpfeln, Kartoffeln und Karotten zeigen sich die grössten Differenzen. Bei Bio-Karotten liegt der Unterschied zwischen dem Ladenpreis und dem Preis, den die Produzentinnen und Produzenten erhalten, bei rund 1 Franken, während er bei konventionellen Karotten nur etwa 20 Rappen beträgt. Mit anderen Worten: Bei Bio-Karotten ist dieser Unterschied fünfmal grösser.

Abbildung 3: Verteilung des Verkaufspreises zwischen Produzentinnen und Produzenten sowie Verarbeitung und Handel für konventionelle und biologische Milch, die von den beiden grossen Detailhändlern Coop und Migros verkauft wird (in %). Quelle: Faire Märkte Schweiz.

Eine gute Nachricht: Bei mehreren Produkten, darunter Milch und Joghurt, kommt ein grösserer Teil des Preisunterschieds zwischen Bio- und konventionellen Produkten inzwischen den Produzentinnen und Produzenten zugute und nicht mehr den Detailhändlern. Diese Entwicklung ist erfreulich, da sie dazu beiträgt, Bio-Betriebe besser zu entlöhnen. Beim Biomilchpreis zahlen Konsumentinnen und Konsumenten beispielsweise rund 34 % mehr als für konventionelle Milch. Von diesem Aufpreis profitieren die Produzentinnen und Produzenten direkt: Rund 39 % des von den Konsumentinnen und Konsumenten bezahlten Preisunterschieds fliessen an die Produzentinnen und Produzenten. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auch bei Joghurt, Eiern und Äpfeln.

Was sagen die grossen Detailhändler dazu?

Migros und Coop, die beiden grössten Detailhändler der Schweiz, weisen diese Vorwürfe zurück und bestreiten, bei Bioprodukten überhöhte Margen zu erzielen. Beide Unternehmen erklären, dass ihre Preisgestaltung auf den tatsächlich höheren Kosten des Biolandbaus beruhe, insbesondere für Kontrollen, Zertifizierungen und die getrennte Warenlogistik. Zudem betonen sie, dass ihre Margen nicht höher seien als bei konventionellen Produkten, und sprechen von einer «fairen» Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. (1)

Ein Punkt bleibt jedoch unklar: Die genauen Margen, die mit Bioprodukten erzielt werden, werden nicht öffentlich gemacht. Die beiden Detailhändler lehnen es ab, ihre Gewinne offenzulegen, und verweisen auf die Vertraulichkeit dieser Geschäftsdaten. Diese mangelnde Transparenz nährt die Kritik und hält die Debatte über die tatsächliche Verteilung der Wertschöpfung im Biosektor am Laufen.

Fazit

Konsumentinnen und Konsumenten sollten nicht vor die Wahl gestellt werden, entweder die biologische Landwirtschaft zu unterstützen oder überhöhte Preise zu bezahlen. Biobäuerinnen und Biobauern, die sich für umwelt- und lebensfreundlichere Produktionsweisen einsetzen, verdienen eine Entlöhnung, die ihrem Engagement gerecht wird. Wer möglichst direkt bei Produzentinnen und Produzenten einkauft, trägt häufig dazu bei, die Wertschöpfung gerechter zu verteilen und jene besser zu unterstützen, die die Lebensmittel produzieren.

Dennoch bleibt es entscheidend, Bioprodukte zu wählen – auch bei den grossen Detailhändlern –, um das Angebot und den Wettbewerb in diesem Bereich zu stärken. Diese müssen jedoch ihre Verantwortung vollumfänglich wahrnehmen: Sie können den Preis von Bioprodukten nicht als Hürde für deren Zugänglichkeit darstellen und gleichzeitig Margen aufrechterhalten, die zu wenig transparent oder unverhältnismässig sind. Mehr Transparenz bei der Preisbildung und eine gerechtere Verteilung der Wertschöpfung entlang der gesamten Lebensmittelkette sind unerlässlich, damit die Entwicklung des Biolandbaus endlich stärker den Produzentinnen und Produzenten zugutekommt.

Weitere Informationen zu der Studie finden Sie unter: https://fairemaerkteschweiz.ch/preismonitor/

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