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Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050

Dominik Waser
Von
Dominik Waser
am
18/9/23
In Kürze

Die vom Bund veröffentlichte neue "Klimastrategie für Landwirtschaft und Ernährung" soll aufzeigen, wie der Agrarsektor seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele bis 2050 leisten kann. Die Ausrichtung der neuen Strategie ist richtig - weniger Viehhaltung zugunsten von Pflanzenproduktion, standortangepasste Produktion, Reduzierung von Lebensmittelabfällen, Förderung der Bodenfruchtbarkeit und Stärkung der Ernährungssicherheit. Doch leider reichen die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht aus, um diese Ziele schnell und umfassend zu erreichen. Future 3 hat sich näher damit befasst.

Die Produktion von Nahrungsmitteln in Zeiten extremer Hitze, Regen oder Dürre ist nicht einfach.

Dennoch wird dies für viele Bauernfamilien immer mehr zur Realität. Das gesamte Ernährungssystem ist direkt und stark von den Folgen der Klimakrise betroffen. Auch in der Schweiz. Paradoxerweise ist die Landwirtschaft selbst ein großer Motor der Klimakrise.

Fast ein Viertel aller Treibhausgasemissionen, die von den in der Schweiz lebenden Menschen verursacht werden, stammen aus der Ernährung. ⅔ dieser Emissionen entstehen im Ausland, da viele Lebensmittel und ein Teil der Futtermittel importiert werden.

Daher muss auf verschiedenen Ebenen schnell gehandelt werden.

Zum einen muss die landwirtschaftliche Produktion besser an die sich ändernden Klima- und Produktionsbedingungen angepasst werden. Andererseits müssen die Emissionen, die durch die Produktion und die gesamte Wertschöpfungskette entstehen, konsequent reduziert werden. 

Die neue Klimastrategie stützt sich auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und legt sehr klar fest, wo die grössten Einsparpotenziale liegen. Der Schwerpunkt sollte auf der gleichzeitigen Anpassung der Konsum- und Produktionsmuster liegen, indem die Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide befolgt werden. Dies würde sowohl der Gesundheit der Menschen als auch der Umwelt helfen.

Konkret bedeutet das: weniger Fleisch, Wiederverwendung von Ackerland, um mehr pflanzliches Eiweiß für die direkte menschliche Ernährung zu produzieren, drastische Reduzierung der Lebensmittelverschwendung.

Um die Abhängigkeit vom Ausland zu minimieren und die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, müsste außerdem der Einsatz von fossilen Brennstoffen, Mineraldünger und Pestiziden verringert werden. Dabei würde es sich um eine Win-Win-Situation handeln.

Die Strategie verfolgt einen umfassenden systemischen Ansatz und weist den Prinzipien der Agrarökologie eine entscheidende Rolle zu.

Das bedeutet auch, dass dieser Wandel die gesamte Gesellschaft betrifft und dass alle - von den Landwirten über die Verbraucher und Politiker bis hin zu den Lebensmittelverarbeitern oder -händlern, der Gastronomie und dem Bildungswesen - eine gewisse Verantwortung tragen, auch wenn diese mehr oder weniger groß sein kann. Es wurden verschiedene Ziele festgelegt, die einerseits langfristig zu einer Verringerung der Emissionen führen und andererseits dazu beitragen sollen, das Ernährungssystem widerstandsfähiger zu machen.

Um dies zu erreichen, will der Bund auf drei Säulen setzen: "Wissen erweitern", "Partizipation stärken" und "Politik konsequent weiterentwickeln".

Ein weiteres sehr wichtiges Element der Strategie ist ihr Maßnahmenplan.

In diesem Bericht werden 25 bereits eingeleitete und 17 neue Maßnahmen genannt. Viele dieser Maßnahmen gehen in die richtige Richtung, einigen mangelt es jedoch an Ehrgeiz.

Wirksame Maßnahmen wie Anreize, verbindliche Rechtsmittel, strengere Zollrichtlinien, Regeln für den Einzelhandel, die Abschaffung der Fleischwerbung oder wirksame Maßnahmen zur Erreichung der Kostenwahrheit sucht man in diesem Plan vergebens.

Dies ist bedauerlich, da ein Strategiepapier nur dann sinnvoll ist, wenn die Wirksamkeit und Weitsicht der Maßnahmen mit den gesetzten Zielen übereinstimmen. Aus unserer Sicht werden insbesondere der Handel und der Konsum nicht ausreichend behandelt, obwohl diese beiden Bereiche eine entscheidende Rolle spielen, vor allem in ihrer Wechselwirkung. Der Ansatz für das Ernährungssystem ist gut, aber der Bund muss ihn durch mutigere Maßnahmen ergänzen. 

Future 3 wird die zukünftigen Entwicklungen kritisch verfolgen. 

Quellen

Quelle: Klimastrategie für Landwirtschaft und Ernährung 2050, Bundesamt für Landwirtschaft

https://www.blw.admin.ch/blw/fr/home/nachhaltige-produktion/umwelt/klima0.html

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