
Sich über die Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft in der Schweiz zu informieren, ist von grosser Notwendigkeit. Nur so können die richtigen politischen und Konsumentscheidungen getroffen werden, die für den Schutz der Umwelt und der Gesundheit unerlässlich sind. Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Informationen über das Thema Stickstoff in der Schweiz.
Stickstoff (N) wird in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt, doch ein Großteil davon wird von den Kulturpflanzen nicht aufgenommen: Fast zwei Drittel gehen jedes Jahr in die Umwelt verloren. Diese Verluste treten vor allem in zwei Formen auf:
• Ammoniak (NH₃), ein Gas, das aus tierischen Exkrementen entsteht, sich in der Luft verteilt und anschließend wieder auf den Boden niederschlägt. In zu großen Mengen wirkt es wie ein zu starker Dünger und bringt empfindliche Ökosysteme wie Wälder und Moore aus dem Gleichgewicht.
• Nitrate (NO₃⁻), die nicht von den Pflanzen aufgenommen werden und durch Regen ins Grundwasser gespült werden. Sie können das Trinkwasser beeinträchtigen und über Flüsse in die Meere gelangen, wo sie die aquatischen Ökosysteme stören.
Jedes Jahr gelangen in der Schweiz Zehntausende Tonnen Ammoniak in die Luft. Im Jahr 2023 beliefen sich die Emissionen auf fast 53'000 Tonnen – und die Landwirtschaft ist zu 94 % dafür verantwortlich. Sie ist somit bei weitem die Hauptquelle dieser unsichtbaren Umweltbelastung. Verkehr, Industrie und Haushalte machen jeweils nur etwa 2 % aus.
Die Ausscheidungen der 1,5 Millionen Rinder, 1,3 Millionen Schweine und 13 Millionen Stück Geflügel sowie die chemischen Düngemittel, die zur Düngung der Felder unseres Landes verwendet werden, verursachen jedes Jahr Überschüsse in der Grössenordnung von 100'000 Tonnen Stickstoff, davon mehr als 49'700 Tonnen Ammoniak (Zahlen von 2024).
Die Methämoglobinämie, auch als „Blaues-Baby-Syndrom“ bekannt, ist eine Erkrankung, bei der das Blut seine Fähigkeit verliert, Sauerstoff ordnungsgemäß zu transportieren.
Nitrate, die im Trinkwasser oder in bestimmten Lebensmitteln enthalten sind, können eine wichtige Rolle spielen: Nach der Aufnahme können sie im Körper in Nitrite umgewandelt werden, insbesondere bei Säuglingen. Diese Nitrite oxidieren dann das Hämoglobin und können eine Methämoglobinämie auslösen.
Säuglinge reagieren darauf besonders empfindlich, da ihr Verdauungssystem und ihre Enzyme noch nicht ausreichend ausgereift sind, um die Umwandlung von Nitraten in Nitrite zu begrenzen. Außerdem oxidiert ihr Hämoglobin leichter, was das Risiko eines Sauerstoffmangels im Blut erhöht.
Bei Säuglingen kann dies zu einer Zyanose („blaues Baby“) führen, bei der sich die Haut aufgrund von Sauerstoffmangel bläulich verfärbt
Stickoxide, insbesondere Stickstoffdioxid (NO₂), haben erhebliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Dieses reizende Gas greift direkt die Schleimhäute der Atemwege an und kann auch die Augen reizen. Es verursacht Entzündungen, begünstigt Husten, Atembeschwerden und Bronchitis und kann bei wiederholter Exposition zu chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder einer Abnahme der Atemfunktion führen.
Eine längere Exposition erhöht zudem die Anfälligkeit für Allergien und verschlimmert Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was zu mehr Krankenhausaufenthalten und einer höheren Sterblichkeitsrate führen kann. NO₂ spielt auch eine indirekte Rolle: Es trägt zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei, zwei Schadstoffen, die in engem Zusammenhang mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einer verkürzten Lebenserwartung stehen.
Landwirtschaftliche Düngemittel tragen zur Luftverschmutzung bei, indem sie Ammoniak freisetzen, das mit Stickoxiden aus dem Verkehr, aus Heizungen und aus der Industrie reagiert und so Feinstaub und Smog bildet.
Stickstoff ist für das Pflanzenwachstum unverzichtbar, doch in zu großen Mengen bringt er Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und versauert die Böden.
Nährstoffarme Lebensräume – wie Moore, Trockenwiesen oder bestimmte Wälder – sind besonders gefährdet:
- schnell wachsende Pflanzen breiten sich aus
- seltene und spezialisierte Arten gehen zurück oder verschwinden
- Störung derMykorrhiza, jener wichtigen Pilze, die den Bäumen bei der Nährstoffaufnahme helfen. Dies schwächt die Wurzeln, beeinträchtigt die Vitalität und das Wachstum der Bäume und macht sie anfälliger für Schädlinge und Umweltbelastungen.
Ein Überschuss an Stickstoff in Flüssen und Seen begünstigt ein übermäßiges Wachstum von Algen und Wasserpflanzen: Dies wird als Eutrophierung bezeichnet.
Folgen:
- Das Wasser wird trüber und das Licht dringt weniger gut bis zum Grund vor
- Wasserpflanzen, die für viele Arten unverzichtbar sind, verschwinden
- Wenn Algen verrotten, verbrauchen sie viel Sauerstoff
- Fische und wirbellose Wassertiere können dadurch ersticken
Bestimmte Arten sind besonders empfindlich, wie beispielsweise die Maränen (Seefische wie die Féra oder die Palée), die zum Überleben und zur Fortpflanzung kaltes und sauerstoffreiches Wasser benötigen.
Ein Überschuss an Stickstoff verändert die Vegetation
- Die Wiesen werden dichter und gleichmäßiger
- Die Wärme- und Lichtverhältnisse ändern sich
- Die Blumen, von denen sich die Insekten ernähren, verschwinden nach und nach
Die Folge: Viele Insektenarten gehen zurück, was sich wiederum auf die gesamte Nahrungskette auswirkt, insbesondere auf Vögel, Amphibien und andere Tiere, die auf sie als Nahrungsquelle angewiesen sind.
Bis zu 50 Prozent der Messstationen in Ackerbau- und Gemüseanbaugebieten weisen Konzentrationen auf, die über dem Grenzwert von 25 mg/l liegen. Das Mittelland, die am stärksten betroffene Region, weist an 80% der Stationen Konzentrationen von mehr als 10 mg/l auf.

Nitrate sind in erster Linie für die Stickstoffbelastung verantwortlich, die die Schweiz über ihre Flüsse in die Weltmeere leitet. Dieser übermäßige Eintrag von Stickstoff in Form von Nitrat führt zu einer Überdüngung der Flüsse und See-Ökosysteme und trägt zur Eutrophierung der Meeresumwelt bei.
Im Folgenden haben wir einige aktuelle Zahlen zum Ausmaß und zu den Folgen eines Stickstoffüberschusses in der Schweiz zusammengestellt.
Future 3 unterstützt Projekte, die die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft erhöhen, indem sie ihre Auswirkungen auf das Klima, die Umwelt, die Biodiversität und die Gesundheit verringern. Im Mittelpunkt steht dabei die Verringerung der Stickstoffemissionen.