
Sich über die Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft in der Schweiz zu informieren, ist von grosser Notwendigkeit. Nur so können die richtigen politischen und Konsumentscheidungen getroffen werden, die für den Schutz der Umwelt und der Gesundheit unerlässlich sind. Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Informationen über das Thema Stickstoff in der Schweiz.
Synthetische Pestizide verbreiten sich seit Jahren überall - auch in unserem Körper. Heute können Pestizide und ihre Abbauprodukte in Urin- und Blutproben sowie in den Haaren eindeutig nachgewiesen werden. Es hat sich herausgestellt, dass die Natur mit diesen Abbauprodukten nicht zurechtkommt.
Langzeitstudien haben gezeigt, dass der regelmässige Kontakt mit bestimmten Pestiziden, selbst in sehr geringen Konzentrationen, negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Kinder sind davon besonders stark betroffen. Pestizide können sich negativ auf die Entwicklung des Gehirns von Ungeborenen und die sexuelle Entwicklung von Jugendlichen auswirken.
Kinder nehmen mehr Pestizide auf als Erwachsene, da sie trotz ihrer geringen Körpergröße mehr Nahrung für ihre Entwicklung benötigen. Während der Entwicklung ihrer Organe und in den verschiedenen Wachstumsphasen sind sie besonders anfällig für hormonell aktive Substanzen (endokrine Disruptoren). Endokrine Disruptoren haben nachweislich einen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns von Ungeborenen sowie auf die sexuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Landwirtinnen und Landwirte sind den synthetischen Pestiziden am stärksten ausgesetzt. Da sie regelmäßig mit diesen Stoffen umgehen, sind sie Substanzen ausgesetzt, deren gesundheitliche Auswirkungen zunehmend dokumentiert werden. Die berufliche Exposition gegenüber Pestiziden wird mit einem erhöhten Risiko für schwere Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter die Parkinson-Krankheit, bestimmte Krebsarten (wie Lymphome und Leukämien) sowie andere chronische Erkrankungen.
Dennoch sind Landwirtinnen und Landwirte in der Schweiz nach wie vor unzureichend geschützt. Es gibt keine Statistiken, anhand derer sich genau einschätzen lässt, wie viele Menschen an Krankheiten leiden, die auf ihre Pestizidbelastung zurückzuführen sind. Während Deutschland, Italien und Frankreich die Parkinson-Krankheit bei pestizidbelasteten Landwirten als Berufskrankheit anerkennen, hat die Schweiz dies bislang noch nicht getan.
Hinter jedem Sprüheinsatz stehen also Menschen, die ein Gesundheitsrisiko eingehen, oft ohne angemessene Anerkennung oder Betreuung.
Verschiedene Studien zeigen die negativen Auswirkungen von Insektiziden und Fungiziden auf Bodenorganismen wie Mykorrhiza (symbiotische Pilze der Pflanzen), wodurch die Phosphoraufnahme negativ beeinflusst wird. Die Behandlung von Saatgut kann Regenwürmer und Bakterien im Wurzelbereich von Pflanzen beeinträchtigen.
In der Schweiz sind fast 30'000 Insektenarten bekannt, doch die tatsächliche Zahl könnte bei 44'000 bis 60'000 Arten liegen. Ihre Bestände sind jedoch stark rückläufig, insbesondere in der Agrarlandschaft. Von den 1'153 in den Roten Listen bewerteten Arten sind fast 60 % gefährdet oder potenziell gefährdet. Der Einsatz von Pestiziden ist einer der Hauptfaktoren für diesen Rückgang der Artenvielfalt und des Bestands an Insekten. Insektizide schaden allen Insekten direkt, einschliesslich der Bestäuber (Bienen, Schmetterlinge, Hemiptera) und der Organismen, die für die natürliche Schädlingsbekämpfung nützlich sind. Herbizide wiederum verringern die Nahrungsressourcen und verändern die Lebensräume der Insekten.

Der Rückgang der Insektenpopulationen, der insbesondere auf den Einsatz von Pestiziden zurückzuführen ist, hat erhebliche Auswirkungen auf die Vogelpopulationen, vor allem auf die in landwirtschaftlichen Gebieten lebenden insektenfressenden Arten. Insekten machen fast die gesamte Nahrung von etwa 40 % der Brutvögel in der Schweiz aus und tragen zur Ernährung weiterer 25 % bei, insbesondere zur Fütterung ihrer Jungvögel. Sie müssen daher in ausreichender Menge vorhanden und leicht zu fangen sein, um den Nahrungsbedarf der Vögel zu decken.
Durch die Verringerung der Insektenpopulationen können Pestizide somit das Überleben und den Fortpflanzungserfolg zahlreicher Arten beeinträchtigen. Bestimmte Pestizide können zudem direkte Auswirkungen auf Vögel haben: Rückstände von Wirkstoffen, die über kontaminierte Samen, Pflanzen oder Insekten aufgenommen werden, können deren Entwicklung, Verhalten oder Fortpflanzung stören.
Die Vielfalt und die Anzahl der Pflanzen ist europaweit zurückgegangen, was unter anderem auf den Einsatz von Herbiziden zurückzuführen ist. Da Pflanzen die Grundlage der Nahrungskette bilden, wirkt sich der Rückgang ihrer Vielfalt, Biomasse und ihres Angebots an Blüten und Samen auch auf andere Organismen aus. Pflanzen bilden die Nahrungsgrundlage für viele Insekten, die wiederum als Nahrung für Vögel dienen.
Die Biodiversität ist für die landwirtschaftliche Produktion von entscheidender Bedeutung. Agroscope schätzt die Kosten des Verlusts der Biodiversität, die durch die Abnahme der Bodenfruchtbarkeit und der Bestäubung entstehen auf 205 bis 479 Millionen CHF pro Jahr.
Wasser ist eine der wertvollsten Ressourcen unserer Umwelt. Doch nach ihrem Einsatz in der Landwirtschaft können Pestizide in Flüsse, Bäche und das Grundwasser gelangen, das in der Schweiz eine wichtige Trinkwasserquelle darstellt.
Nach dem Ausbringen bleiben Pestizide nicht immer dort, wo sie ausgebracht wurden. Durch Regen können sie mit dem Oberflächenabfluss in Gewässer gespült werden oder in den Boden sickern und bis ins Grundwasser gelangen. Einige zersetzen sich dabei zu neuen Substanzen, sogenannten Metaboliten, die lange Zeit in der Umwelt verbleiben und das Wasser noch lange nach der Anwendung des ursprünglichen Produkts verunreinigen können.
Die im Rahmen des nationalen Grundwasserüberwachungsnetzes (NAQUA) durchgeführten Analysen zeigen, dass Pestizidrückstände und deren Abbauprodukte vor allem in Regionen mit intensiver Landwirtschaft vorkommen.
Im Schweizer Mittelland überschreiten Pestizidmetaboliten an rund 60 % der Messstationen den Wert von 0,1 Mikrogramm pro Liter (μg/l). Landesweit ist jede dritte NAQUA-Messstation davon betroffen. Insgesamt überschreiten derzeit 24 Metaboliten aus 12 Wirkstoffen diesen Wert.

Bestimmte Pestizide hinterlassen besonders deutliche Spuren. Dies gilt insbesondere für Chlorothalonil, ein Fungizid, das jahrzehntelang im Ackerbau eingesetzt wurde. Seine Abbauprodukte sind nach wie vor weit verbreitet: In Ackerbaugebieten liegen die Werte an 70 % der Messstationen über 0,1 μg/l. Schweizweit ist mehr als jede vierte Messstation davon betroffen. Obwohl der Einsatz von Chlorothalonil seit 2020 verboten ist, sinken die Konzentrationen nur langsam, da seine Abbauprodukte noch mehrere Jahre in der Umwelt verbleiben können.

Die Analysen zeigen, dass viele Schweizer Flüsse und Bäche auch nach mehrjähriger Umsetzung des Aktionsplans weiterhin stark durch Pestizide belastet sind. An 22 der 36 untersuchten Standorte (das sind 61 %) werden die ökotoxikologisch begründeten Grenzwerte nach wie vor überschritten. Besonders kritisch ist die Lage bei kleinen und mittleren Bächen, die durch landwirtschaftliche und städtische Gebiete fliessen: In diesen Gewässern überschreiten die gemessenen Konzentrationen an mehr als drei Vierteln der untersuchten Standorte die zulässigen Grenzwerte. Die Zahl der Messstellen, an denen alle Grenzwerte eingehalten werden, hat sich zwischen 2019 und 2022 kaum erhöht, was die langsamen Fortschritte unterstreicht. Angesichts dieser Feststellungen hält der Bundesrat das Ziel für 2027, die Anzahl der Gewässer mit Überschreitungen zu halbieren, ohne eine rasche Entwicklung von Alternativen zu Pestiziden für wenig realistisch.
Ihre Anwesenheit in Gewässern lässt sich durch verschiedene Mechanismen erklären:
Die Risiken sind besonders hoch in Gebieten, in denen intensiv Landwirtschaft betrieben wird und häufig Pestizide eingesetzt werden.
Durch die Wasseraufbereitung lassen sich nicht immer alle vorhandenen chemischen Stoffe vollständig entfernen. Die beste Strategie besteht daher nach wie vor darin, deren Einsatz bereits an der Quelle zu reduzieren.
Es gibt Alternativen: ökologischer Landbau, integrierter Pflanzenschutz, Anbaudiversifizierung, Erhalt natürlicher Lebensräume oder auch pestizidfreies Gärtnern. Der Schutz der Wasserqualität erfordert einen Wandel hin zu landwirtschaftlichen Praktiken, die sowohl die Ökosysteme als auch die Artenvielfalt und unsere Trinkwasserressourcen schützen.
Im Folgenden haben wir einige aktuelle Zahlen zum Ausmaß und zu den negativen Auswirkungen von Pestiziden in der Schweiz zusammengestellt.
Future 3 unterstützt Projekte, die die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft erhöhen, indem sie die negativen Auswirkungen auf das Klima, die Umwelt, die Biodiversität und die Gesundheit verringern. Die Reduktion des Einsatzes von Pestiziden steht dabei im Mittelpunkt.